Die vierte Online-Tagung zur Interaktion in DaFZ fand am 10. und 11. November 2023 statt. Besonderes Augenmerk wurde dieses Mal auf die Verknüpfung von unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Lernprozessen sowie auf das Verhältnis von gesteuerten und ungesteuerten sprachförderlichen Szenarien gelegt.

Im Anschluss an die Begrüßung des Tagungsteams eröffnete Simona Pekarek Doehler als erste von zwei Plenarsprecherinnen den wissenschaftlichen Austausch. Den Fokus ihres Beitrags mit dem Titel „Language learning in the wild“ bildeten wichtige Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zur Entwicklung von Interaktionskompetenz in ungesteuerten Erwerbskontexten. Anhand von konversationsanalytisch ausgewerteten Daten veranschaulichte Frau Pekarek Doehler u.a. exemplarisch, wie sich Ausdrücke wie z.B. „wie sagt man“ im Gebrauch von Lernenden von tatsächlichen Rückfragen zu Diskursmarkern oder als Mittel zur Interaktionsorganisation entwickeln. Abschließend betonte sie die wichtige Rolle der Didaktik, wenn es darum geht, solche Ergebnisse für den Fremdsprachenunterricht nutzbar zu machen.

Im Anschluss an den ersten Plenarvortrag begann der Themenblock „Mehrsprachige Praktiken und Interaktion zwischen gesteuertem und ungesteuertem Spracherwerb“ mit dem Beitrag „Mehrsprachige Interaktion in Familien: Strategien zur Überbrückung räumlicher und sprachlicher Distanz in der Fallstudie einer mehrsprachigen Familie“ von Sandra Ballweg. Der Blick auf familiäre Interaktionen macht zum einen den Einsatz unterrichtsähnlicher Praktiken der in der Studie beobachteten Mutter zur Förderung der Herkunftssprache deutlich, zum anderen die Unterschiede zwischen den Kommunikationsstilen der Beteiligten. Die Studie zeigt nicht nur, dass bestimmte Handlungen und Themen den einzelnen Sprachen zugeordnet werden, sondern auch die durchgängig zu beobachtenden Bemühungen des Kindes, durch gezielte Sprachwahl den Dialog auf Augenhöhe zu etablieren.

Aufschlussreiche Einblicke in mehrsprachige schulische Kommunikation lieferte Jessica Dlugaj mit ihrem Vortrag „Kinder als Akteure migrationsbedingter Mehrsprachigkeit – Auszüge aus einer ethnographischen Fallstudie zu sprachlichen Praktiken in der Grundschule“. Mit Hilfe von Beobachtungsprotokollen sowie Gruppen- und Partner:inneninterviews mit den Schülerinnen und Schülern zeichnete die Referentin diverse Mehrsprachigkeitspraktiken aus dem Schulalltag nach und verdeutlichte, wie es der von ihr näher betrachteten Lehrkraft gelingt, sich als Repräsentantin der Sprachenvielfalt und nicht der Mehrheitssprache zu positionieren.

Ausgehend von den Deskriptoren zur Mediationskompetenz im Begleitband zum Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen näherten sich Ulrike Arras und Katharina Schuhmann dem Tagungsthema. Im Beitrag „Mediationskompetenz in der mehrsprachigen Online-Interaktion“ betonten sie die Wichtigkeit der Mediation in einer von Mehrsprachigkeit geprägten Welt und gingen der Frage nach, wie sich Mediationshandlungen in konkreten Online-Interaktionen manifestieren. Anhand von Transkripten aus einer aufgabenbasierten Gruppenarbeit illustrierten die beiden Vortragenden die Herausforderungen bei der Anwendung der Deskriptoren auf die Aushandlungsprozesse, die sie u.a. auf unpräzise Definitionen zurückführen.

Im Gegensatz zu den ersten drei Studien fokussierte Maxi Sander in ihrem Beitrag „Interaktionsstrukturen in der mehrsprachigen Chatkommunikation“ nicht die mündliche Interaktion, sondern zeichnete anhand der Analyse von Chatverläufen aus einem internationalen Begegnungsprojekt zur Förderung kulturreflexiven Lernens nach, wie sich gruppenspezifische Kommunikationsweisen herausbilden, z.B. bestimmte Interaktionsmuster oder die Festlegung der gemeinsamen Sprache. Die Daten legen darüber hinaus nahe, dass sich solche Projekte insbesondere zur Aneignung weniger formeller Register eignen, die im unterrichtlichen Kontext generell eine untergeordnete Rolle spielen.

Den Abschluss des ersten Tages und somit des ersten Themenblocks bildete der Vortrag von Chrissy Laurentzen mit dem Titel „Die Entwicklung einer mehrsprachigen Kompetenz: Mehrsprachigkeitsstrategien in Gesprächen zwischen Schüler*innen aus Deutschland und den Niederlanden“. Anhand von Daten aus insgesamt zwölf Gesprächen im Umfang von 30-60 Minuten arbeitete sie neben diskursstrukturierenden Aspekten, sozial-psychologische und linguistische Gründe für das Modeswitching heraus und diskutierte diese vor dem Hintergrund der Accommodation Theory.

Der zweite Konferenztag begann mit dem Themenblock „Digitale Interaktionsräume im projektorientierten DaF-Unterricht“ und wurde von Diana Feick und Petra Knorr mit ihrem Vortrag „Bilinguale multimodale Online-Interaktionen im virtuellen Austausch“ eröffnet. Bei den vorgestellten Daten handelte es sich um Chatverläufe in einem virtuellen Kooperationsprojekt zwischen Studierenden (Englisch auf Lehramt) aus Leipzig und Deutschstudierenden der Universität Auckland. Zum einen konnten Ergebnisse aus anderen Studien bestätigt werden, die darauf hindeuten, dass emoticons insbesondere zum Aufbau und zur Pflege von Beziehungen dienen; zum anderen leiteten die Vortragenden aus ihren Daten ab, dass die Interagierenden in der L1 eher den Konventionen der konzeptionellen Mündlichkeit folgen, während in der L2 eher konzeptionelle Schriftlichkeit zu Grunde liegt.

Im zweiten Vortrag „Breakout Sessions als interaktionale (Frei-)Räume für Lernende im DaF-Unterricht“ stellte ein internationales Team von Forschenden, bestehend aus Olga Czyzak, Julia Feike, Mi-Young Lee, Tatsuya Ohta und Marco Raindl, ein virtuelles Unterrichtsprojekt mit Studierenden aus Japan, Korea und Taiwan unter der Leitung von angehenden Lehrpersonen aus Jena vor. Im Zentrum des Vortrags stand die Etablierung von Interaktionsmustern in unterschiedlichen Gruppen zur selben Aufgabe. So zeigte sich, dass der Beginn der Gruppenarbeit für die Herausbildung von Mustern von besonderer Bedeutung ist und je nach Gruppe eher unterrichtsähnliche Praktiken oder dialogische Formen der Zusammenarbeit umgesetzt werden.

Matthias Prikoszovits schloss mit seinem Vortrag „Virtuelle Lernräume gestalten und nützen: DaF-Lernende in (Inter-)Aktion“ den Themenblock ab. Auch hier wurden Chatverläufe ergänzt durch eine Befragung der Beteiligten in einem interkulturellen Begegnungsprojekt fokussiert. Als besondere Herausforderungen für dieses Projekt wurde neben der Zeitverschiebung die nötige Zeit zur Erstellung der Chatbeiträge identifiziert, da das Tippen von den Lernenden zuweilen als langwierig beschrieben wurde.

Es folgte ein Format, das zum ersten Mal im Rahmen dieser Online-Tagungen zur Interaktion in DaFZ angeboten wurde, und zwar Posterpräsentationen mit dem gemeinsamen Themenfokus „Einblicke in innovative didaktische Formate aus der Praxis“. Die zuvor über den Moodle-Kurs der Tagung zur Verfügung gestellten Poster wurden in drei Breakout-Räumen von den Beitragenden stichwortartig vorgestellt und anschließend in kleinen Gruppen diskutiert. Bei den vorgestellten Postern handelt es sich um: „Authentische Sprachkontakte in digitalen Begegnungen – Beispiel eines interaktiven Projekts zu sprachlichen Varietäten“ von Daniel Gratkowski und Judith Hansmeier; „Airport retransformed. Außer(hoch)schulische Lernorte in der Lehrkräftebildung“ von Carla Müggenburg; „Chatten mit Chatbots! Die schriftliche Online-Interaktion mit K.I. im DaF-Unterricht“ von Vasiliki Markou. Dieses Format ermöglichte einen intensiven Austausch zu praktischen Themen aus dem Unterrichtsalltag.

Abgerundet wurde die 4. Online-Tagung zur Interaktion in DaFZ durch den Vortrag der zweiten Plenarsprecherin Karin Kleppin mit dem Titel „Selbstgesteuert in der exolingualen Interaktion lernen“. Nach einem umfassenden Blick in die Terminologie zu fremdsprachlichen Lernszenarien außerhalb traditioneller Unterrichtssettings fokussierte der Beitrag Herausforderungen und Potenziale von Interaktionen zwischen Personen unterschiedlicher L1 und illustrierte diese anhand des Tandemkonzepts. Abschließend plädierte Frau Kleppin für die gezielte Unterstützung solch freier außerunterrichtlicher Lernprozesse durch professionelle Beratung zur Ausschöpfung der sich hier eröffnenden Lernmöglichkeiten.

Zusammenfassend betrachtet war die auch vierte digitale Tagung zum Thema „Interaktion im DaFZ“ ein voller Erfolg. Erneut ist es gelungen, über 70 Interessierte aus Praxis und Forschung aus aller Welt zusammenzubringen, einen fruchtbaren Austausch anzuregen und somit eine weitere Facette des breiten Themenspektrums der Interaktion im Kontext von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache zu beleuchten.

Organisationsteam

Prof. Dr. Karin Aguado, Maria Hummel M.A. (Universität Kassel)

Prof. Dr. Kathrin Siebold, Anja Hellner (SHK) (Philipps-Universität Marburg)

Florian Thaller M.A. (Seoul National University, Südkorea)

Olga Czyzak M.A. (Chuo Universität, Japan)