In der Fremdsprachenforschung besteht Einigkeit über die zentrale Rolle der Interaktion für erfolgreiche Erwerbsprozesse. Interaktionale Kompetenz(en) sind – je nach Perspektive – Voraussetzung und Ziel eines auf Partizipation ausgerichteten Fremd- und Zweitsprachenunterrichts, in jedem Fall bilden sie einen Kerngegenstand des Lehr-Lern-Geschehens.

Deskription, Modellierung und Optimierung des komplexen Handlungsgefüges fremdsprachlicher Interaktion werden in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen und unter Rückgriff auf eine Vielzahl forschungsmethodischer Ansätze untersucht. In der Interaktionsforschung koexistieren kognitivistische, gesprächsanalytische und soziokulturelle Ansätze; neben explorativ-interpretativen Verfahren kommen experimentell-quantitative Designs ebenso zum Einsatz wie Mixed Methods-Ansätze; zunhemend werden Interaktionsdaten nicht nur rein verbal, sondern auch multimodal transkribiert und analysiert.

Entscheidungen für Verortungen in bestimmten Forschungsparadigmen mit spezifischen methodischen Zugängen ergeben sich hierbei sowohl aus der Passung  von Forschungsfrage(n) und Forschungsmethode(n) als auch aus der wissenschaftlichen Sozialisation der Forscher*innen und den damit verbundenen Überzeugungen, Präferenzen und Kompetenzen.

Wenngleich sich in der Interaktionsforschung multiperspektivische Erkenntnisse produktiv ergänzen und wertvolle Wechselwirkungen entstehen können, sind gegenseitige Wahrnehmung und interdisziplinäre Bezugnahme aus unserer Sicht nur wenig ausgeprägt.

Aus der Perspektive des per se interdisziplinär ausgerichteten Fachs DaFZ verfolgen wir mit dieser Tagung daher die Zielsetzung, unterschiedliche Zugänge zur Interaktionsaktionsforschung zu beleuchten und so einen Austausch über die jeweiligen theoretischen und methodologischen Annahmen und Erkenntnisinteressen zu ermöglichen. Dabei sollen die Wechselwirkungen von Untersuchungsgegenständen und Forschungsdesigns sowie die daraus resultierenden Potenziale, Herausforderungen und Grenzen der verschiedenen Ansätze ergründet werden. Im interdisziplinären Dialog soll diskutiert werden, wie verschiedene methodische Zugänge sinnvoll zusammengeführt und didaktische Anknüpfungspunkte geschaffen werden können.

Vor diesem Hintergrund laden wir herzlich zur Teilnahme an der digitalen Tagung „Methodische Zugänge zur Interaktionsforschung in DaFZ“ ein, bei der wir die folgenden Fragen fokussieren wollen:

  1. Wie spielen Erkenntnisinteresse, theoretische und methodologische Annahmen in unterschiedlichen Ansätzen der Interaktionsforschung zusammen? Welche übergeordneten Theorien und relevanten Beschreibungs- und Erklärungskategorien beleuchten welche Gegenstandsbereiche? Wo ergeben sich klare Abgrenzungen, wo Überschneidungen, wo Anknüpfungspunkte?
  2. Welche konkreten Methoden der Erhebung, Aufbereitung und Auswertung von empirischen Daten sind besonders gewinnbringend für welche Forschungsvorhaben? Wo bieten sich qualitative, wo quantitative Designs an? Wo sind rein verbale, wo multimodale Analyseverfahren geeignet? Wo sind Querschnittsstudien, wo Längsschnittstudien angemessen? Welche Potenziale, aber auch Schwierigkeiten und Grenzen weisen die unterschiedlichen methodischen Zugänge zur Beantwortung konkreter Forschungsfragen auf?
  3. Wie können Relevanz und Geltung erzielter Forschungsbefunde für verschiedene DaFZ-Anwendungsbereiche bestimmt und überprüft werden? Wie können Fragen der Transferabilität bereits im Forschungsdesign mitgedacht und angelegt werden? Mit welchen Herausforderungen ist der Praxistransfer verbunden? Und wie können diese überwunden werden? Welche konkreten didaktischen Umsetzungsmodelle haben sich in welchen Praxisfeldern als sinnvoll erwiesen?

Mit großer Freude möchten wir bereits hier ankündigen, dass wir folgende Plenarsprecherinnen für die Tagung gewinnen konnten:

  • Prof. Dr. Susanne Günthner, Universität Münster
  • Prof. Dr. Juliane House, Universität Hamburg/Hellenic American University, New Hampshire (USA)
  • Prof. Dr. Karen Schramm, Universität Wien
Weiterführende Informationen finden Sie in den Bereichen Call for Papers, Tagungsprogramm und Abstracts.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Organisationsteam

Prof. Dr. Kathrin Siebold, Dr. Simon Falk, Florian Thaller M.A. (Philipps-Universität Marburg)

Prof. Dr. Karin Aguado (Universität Kassel)

Olga Czyzak M.A. (Reitaku Universität, Japan)